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Das Netzwerk Außerklinische Intensivpflege

Eine gute Versorgung für Intensivpflegebedürftige setzt das Zusammenwirken aller Beteiligten voraus: Politik, Kranken- und Pflegekassen, Verordner, Leistungserbringer, Betroffenenverbände und Medizinischer Dienst. Aus dieser Überzeugung initiierten wir 2023 einen Runden Tisch Außerklinische Intensivpflege mit Vertreterinnen und Vertretern aus all diesen verschiedenen Interessengruppen.

Gemeinsame Zielstellung war die bestmögliche Versorgung der Versicherten in der Region durch Vernetzung, Vereinfachung der Prozesse und erleichterten Informationszugang. Mittlerweile ist ein ganzes Netzwerk und somit eine wichtige Dialogplattform gewachsen. Alle drei Monate kommen die Mitglieder zusammen.

Viele Perspektiven für eine gemeinsame Mission

Andere Medizinische Dienste bedienen sich ähnlicher Dialogformate. Der MD Bayern betreibt beispielsweise seit Mai 2024 eine Vortragsreihe mit Pflegediensten, Ärzteschaft, Krankenkassen und Politik. Besonders gewinnbringend sind dabei die vielen unterschiedlichen Perspektiven. Ärztinnen und Ärzte erläutern genauer ihre Verordnungen, während Pflegedienste die Sicht der Versorger widerspiegeln. Besonders wichtig sind die Stimmen aus den Patienten- und Betroffenenvertretungen. Sie zeigen den Blickwinkel der Pflegebedürftigen und Angehörigen auf – ihre Bedürfnisse, Ängste und Sorgen. Organisationen wie der Sozialverband VdK, die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft oder Selbstbestimmt leben in Deutschland e. V. sind daher ein integraler Bestandteil unseres Netzwerks. Hinzu kommen Vertreterinnen und Vertreter aus bundesweiten Fachstellen und zivilgesellschaftlichen Stiftungen.

Unsere Perspektive ist die der Begutachtung. Im Dialog stellen wir transparent dar, auf welcher Grundlage unsere Kolleginnen und Kollegen ihre Entscheidungen fällen und welche Kriterien ausschlaggebend für die Bewertung sind. Außerdem blicken wir im Netzwerk gemeinsam auf Auftragszahlen und deren Verteilung.

Das Netzwerk ist für die Beteiligten eine wichtige Plattform für fachliche Diskussionen. Immer wieder geht es zum Beispiel um Möglichkeiten der Therapieoptimierung für die Intensivpflegebedürftigen. Bei solchen Fragen ist besonders der Austausch mit den Leistungserbringern gewinnbringend. Expertinnen und Experten der Fachärzteschaft, zum Beispiel aus der Kassenärztlichen Vereinigung, können dann ihre Erfahrungen aus der stationären und ambulanten Versorgung teilen.

Dass in kürzester Zeit ein so großes Netzwerk gewachsen ist, zeigt, wie dringend es eine Austauschplattform aller an der Außerklinischen Intensivpflege Beteiligten gebraucht hat.

Dr. Yvonne Käutner-Nagel

Fachreferentin für Außerklinische Intensivpflege

Ein Pfeiler in der Versorgungslandschaft

Für das zurückliegende Jahr 2024 kann ein positives Fazit gezogen werden. Aus einem anfänglichen Abtasten im Netzwerk wurde ein produktiver, organisationsübergreifender Austausch. Gemeinsam konnten Prozessverbesserungen detektiert und angegangen werden. Problemfelder wie die Potenzialerhebungen und alternative Versorgungsstrukturen außerhalb der AKI wurden fortlaufend thematisiert und optimiert.

Oft bilden Begegnungen bei den Netzwerktreffen den Ausgangspunkt für weitere persönliche Termine – auch mit Verantwortlichen in der Politik. Immer wieder bringen wir in entsprechenden Gesprächen mit Verantwortlichen unsere Erfahrungen ein. Anfang 2025 waren wir dafür im Bundesministerium für Gesundheit und machten dort auf die von uns beobachteten strukturellen Mängel und Lücken in der AKI-Versorgungslandschaft aufmerksam. Langfristig wollen wir gesetzliche Verbesserungen für die Versicherten und ihre Angehörigen erreichen.

Durch die Netzwerktreffen ist es gelungen, die Prozesse bei den anderen Beteiligten (Kranken- und Pflegekassen, Verordner, Leistungserbringer) besser zu verstehen. Gleichzeitig konnten der MD die Abläufe auf Basis der bestehenden Richtlinie und der Begutachtungsanleitung verdeutlichen. Dieses gemeinsame Verständnis erleichtert die Zusammenarbeit. 

Inzwischen ist unser Netzwerkformat in der regionalen AKI-Landschaft nicht mehr wegzudenken – wobei auch bundesweit agierende Organisationen teilnehmen und das Wissen so deutschlandweit multiplizieren. Praktisch alle involvierten Akteure nutzen das Netzwerk als Dialogforum. Das ist deshalb wichtig, weil die Außerklinische Intensivpflege ein noch verhältnismäßig junges Themenfeld ist. Einige Prozesse spielen sich gerade noch ein. Die Beteiligten begreifen das Netzwerk als Raum des gemeinsamen Lernens, mit dem Ziel, die Versorgung mit Außerklinischer Intensivpflege kontinuierlich zu verbessern. Egal aus welchem Blickwinkel: alle sehen im Mittelpunkt das Wohl und die Sicherheit der Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind.

Infobox: Was hat sich aus dem Austausch im Netzwerk ergeben?

Was hat sich aus dem Austausch im Netzwerk ergeben?

  • Gutachten wurden dahingehend weiterentwickelt, die pflegerischen Bedarfe der Versicherten detaillierter abzubilden. Dadurch sind die Kassen schneller in der Lage, in ihrem internen Case-Management die Versorgungsstrukturen zu etablieren.
  • Der Austausch mit den Verordnern verläuft direkter und schneller. Teilweise finden fallbezogene Telefonate und Videokonferenzen statt. 
  •  Die Plattform schafft auch gegenüber den Betroffenenvertretungen Transparenz, was die rechtlichen Anspruchsvoraussetzungen für die Verordnung von Außerklinischer Intensivpflege betrifft. Für sie gibt es auch Ansprechpersonen aus unserem Medizinischen Dienst Berlin-Brandenburg, um Unsicherheiten bei Fällen zu beseitigen.
  • Die Kassenärztliche Vereinigung hat die Praxis der Verordner genauer analysiert, um möglichen Schulungsbedarf im Umgang mit den Ausfüllhilfen für die Formulare 62A/B/C aufzudecken.
  • Für Verordner sind Schulungen im Rahmen von MD im Dialog angedacht.

Sie möchten sich am Austausch im Netzwerk beteiligen? Melden Sie sich gern per Mail bei uns.